Partnerschule in Darío (Nicaragua)

Bericht aus Nicaragua

von Christa Hagenbusch-Hasselkuss

Ein weiterer interessanter Artikel befindet sich bei
"Aktionen der Schule, Schuljahr 2012/2013
"

Ende November 2005 flogen Frau Mirbach und ich nach Nicaragua, um unsere Partnerschule in Darío zu besuchen. Diese Reise war schon lange geplant. Schon im Sommer 2002 hatten Frau Kurth und ich Flugtickets für eine Reise gekauft. Gemeinsam mit Frau Mirbach, der Vorsitzenden des Vereins für internationale Städtepartnerschaften, Sprockhövel, wollten wir damals unsere Partnerschule besuchen, um zu sehen, wo wir gezielter helfen können. Wir sind damals doch nicht geflogen, weil es in der Zeit dort so viele gefährliche Denguemücken gab. Diese Mücken verursachen durch ihre Stiche eine Krankheit, die mit einer schweren Grippe vergleichbar ist und unter Umständen auch zum Tod führen kann. Im Sommer ist dort Regenzeit und die Mücken brauchen das feuchte Wetter. Im Winter ist es dort trockener und es gibt viel weniger Denguemücken.
Jetzt, Ende November, war die Reisezeit auch deshalb besser, weil die Hurrikansaison vorbei war. Sie richtet jedes Jahr regelmäßig große Schäden in Nicaragua an. 2002 haben wir eine kleine, bitterarme Schule in Coyolito in den Bergen bei Darío unterstützt. Wir haben zu Hause Buntstifte und T-Shirts für die Kinder dort gesammelt. Wir haben Löffel für die kleine Küche gekauft, in der die Kinder ihr Mittagessen bekamen. Frau Mirbach hat sie damals auf ihrer Reise nach Nicaragua mitgenommen. Inzwischen hat die Regierung diese Schule geschlossen, weil es zu wenig Kinder in Coyolito gab.
So haben wir uns entschlossen, die Schule in Darío zu unterstützen, die zwar schon viele Jahre Gelder von der Städtepartnerschaft Sprockhövel bekommt, aber ansonsten keinerlei andere Gelder mehr erhält, so dass ihre Existenz gefährdet ist.

Unsere Partnerschule

Sie heißt "Preescolar Garcia Lorca". Garcia Lorca war ein spanischer Dichter, der Anfang des 20. Jahrhunderts berühmt wurde. Eigentlich ist die Schule nicht nur eine Vorschule, wie der Name "Preescolar" sagt, sondern auch eine Grundschule, da es hier Kinder von 3 Jahren bis 8 Jahren gibt. Sie besteht also aus einem Kindergarten und der 1. und 2. Klasse.

Dario Klassenzimmer Unsere Partnerschule liegt nicht direkt im Zentrum von Darío, sondern am Rande in einem ärmlichen Viertel. Die Straßen sind dort nicht asphaltiert. In der Regenzeit haben die Leute mit Schlamm zu kämpfen, während der Trockenzeit ist es schrecklich staubig.

Zur Zeit besuchen 200 Kinder diese Schule. Zum neuen Schuljahr, das am 1. Februar beginnt, erwartet die Schulleiterin Dora Espinoza etwa 300 Kinder. Es gibt 3 Klassenräume in der Schule und 2 weitere in einem anderen Gebäude. Da die Zahl der Kinder so groß ist, wird morgens und nachmittags unterrichtet. Eine Gruppe kommt von 8 - 13 Uhr, die andere von 13 - 18 Uhr.

 

Verpflegung

Die Kinder gehen oft nur deshalb so regelmäßig in die Schule, weil sie dort eine warme Mahlzeit erhalten. Darüber sind die Mütter froh. Die Armut ist so groß, dass jede kostenlose Mahlzeit willkommen ist. Familien, denen es etwas besser geht, zahlen für den ganzen Monat Essensgeld in Höhe von 15 Cordoba, das sind 75 Cent.

In der Schule gibt es einen "Comedor", einen Speiseraum, in dem gekocht und gegessen wird. Vor wenigen Jahren hat der Sprockhöveler Verein mit Hilfe von Mitteln der BRD einen Solarofen installieren können, der mit heißem Speiseöl funktioniert. Sie haben es deshalb gemacht, weil für die Schule Gas oder Elektrizität auf Dauer nicht bezahlbar waren. Jetzt heizt die Sonne draußen Paneelen auf, die wiederum das Speiseöl so erhitzen, dass man wunderbar preiswert in dem Ofen kochen und auch noch einen großen Wasserbehälter erhitzen kann.

Eine Köchin arbeitet im Comedor und wird von Müttern, die abwechselnd helfen, unterstützt. Der Sprockhöveler Verein schickt regelmäßig Geld für Lebensmittel, damit der Comedor weiter bestehen kann. Hier ist der wöchentliche Speiseplan:
Montag:
Reis, Bohnen, Müsli, gefüllte Tortillas
Dienstag:
Reis, Bohnen, Maisgetränk
Mittwoch:
Bohnen, Reis, Hühnchen, Maisgetränk
Donnerstag:
Bohnensuppe mit Reis
Freitag:
Milchreis oder Maispudding

 

Nähschule

Im Comedor ist neuerdings eine Wand abgetrennt. Dadurch ist ein kleiner Raum entstanden, der als Nähschule  dient. Die Frauen lernen dort in Nachmittagkursen zu nähen, so dass sie später durch Flickarbeiten usw. etwas dazuverdienen können. Viele von ihnen sind alleinstehende Mütter mit mehreren Kindern und dringend auf ein Zubrot angewiesen.
Wir haben der Nähschule Nähgarn und 100 Euro für eine neue Nähmaschine und Nähzubehör mitgebracht. Die Frauen waren darüber sehr glücklich.

 

 

 

Lernmaterialien

Die Klassenräume sind freundlich gestrichen. Es gibt allerdings nur ganz wenig Hilfsmittel zum Lernen oder Spielzeug für die Kinder.
In Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, haben wir gute Bastelbücher gefunden, mit denen wir große Freude bereiten konnten. Gute Lernspiele aber waren nicht zu bekommen.
Wir haben 1383 Dollar von der Grundschule Haßlinghausen und unserer Schule mitbringen können. Die Schulleiterin wird davon Material wie z.B. Papier, Stifte, Hefte, Lernmaterialien kaufen. Man muss sich vorstellen, dass nicht jedes Kind ein Heft und einen Bleistift mitbringen kann.
Wahrscheinlich werden sich demnächst noch andere Grundschulen in Sprockhövel an der Unterstützung beteiligen, so dass wir bessere Möglichkeiten haben werden die Schule sinnvoll zu unterstützen.

Leider hatten die Kinder bei unserer Ankunft schon Ferien. Das war so nicht geplant. Die Regierung hatte die Schulen hier eher geschlossen um Nachhilfekurse für Kinder, die während des Schuljahres im Unterricht nicht mitgekommen sind, in den Ferien durchzuführen. Wir konnten diesen Unterricht für die 1. und 2. Klasse miterleben. Das war ganz traurig. Man sah den Kindern an, dass sie ganz schwer lernten. Es gab für sie kein spielerisches Material außer einer kleinen Kiste mit Knetmasse. Sie hatten nur Heft und Bleistift. Nichts, was ihre Phantasie anregt. Ich glaube nicht, dass der Unterricht da besonders erfolgreich sein kann. Die Lehrerinnen gaben sich alle Mühe und waren ganz lieb zu den Kindern.

Wir sollten uns in einer nächsten Aktion bemühen, von hier aus geeignetes Vorschulmaterial und Lernspiele zu schicken. Denn Lernen wird für die Zukunft der Kinder das Wichtigste sein.

Die Schule ist durch die Asociation Daríana entstanden. Das ist ein gemeinnütziger Verein in Darío. Mit ihm arbeitet der Sprockhöveler Verein zusammen. Vorsitzende in Nicaragua ist die Schulleiterin Dora Espinoza. Für ihre Arbeit im Verein und in der Schule bekommt sie nichts, keinen Cent. Als pensionierte Lehrerin erhält sie eine erschreckend kleine Pension, die kaum zum Leben reicht.
Die Schulgebäude sind durch Spenden aus Deutschland und Frankreich entstanden. Die Lehrerinnen haben zu Anfang außer vom Verein kein Geld bekommen. Inzwischen unterstützt die Regierung die Schule wenigstens insofern, als sie den Lehrerinnen ein Kleinstgehalt zahlt. Alle anderen Kosten wie Licht, Strom, Hausmeisterin, Materialien, Lebensmittel muss die Schule selbst aufbringen. Das geht nur durch Spenden. Und die werden bekanntlich auch immer weniger, in Zeiten leerer Kassen und großer dramatischer Katastrophen, die wir im Fernsehen erleben. Dabei sind es oft Kleinigkeiten, die viel bewirken können: Auffällig war zum Beispiel, wie wenig Lampen in den Räumen aufgehängt waren, vor allem auch in der Nähschule. Man hat einfach kein Geld für Strom und ruiniert sich die Augen.
Der Sprockhöveler Verein wird versuchen, Gelder beim Bund zu beantragen für eine Solaranlage, die Strom erzeugt. Das bedeutet aber, dass der Verein erst einmal ein Viertel der Kosten als Vorkasse ansparen muss. Das ist nicht einfach. Zumal seit der letzten Aktion am Jahresende nur noch 40 Euro in der Kasse waren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang vielleicht noch, dass jedes Vereinsmitglied, das bisher Dario besucht hat, alle Reisekosten selbst getragen hat. Und nach Nicaragua fliegt kein Easy-Jet.

Wasserproblem

Ein weiteres Problem ist das Wasser. Wasser ist teuer. Außerdem gibt es Wasser in Darío tagsüber nie.
Am Abend bis in die frühen Morgenstunden kommt kaltes Wasser aus dem Hahn, das aber morgens um 6 Uhr schon versiegt. Die Leute füllen abends Wasser in Schüsseln und Bottiche, um tagsüber Wasser zum Kochen, Waschen und für die Toilette zu haben. Warmes Wasser aus dem Hahn gibt es nirgendwo und oft noch nicht mal eine kalte Dusche.

Wir haben für die Schule preiswert große Fässer kaufen können und Ketten an den Dachrinnen installiert, über die das Wasser in die Tonnen läuft. So kann wenigstens während der Regenzeit Wasser gesammelt werden. Durch den schrecklichen Staub während der Trockenzeit werden die Paneelen des Solarkochers verstaubt, was die Leistung vermindert. Mit dem gesammelten Wasser können sie nun gereinigt werden. Das Wasser reicht sogar für ein paar hübsche Pflanzen auf dem Schulhof.

Gesundheitsberatung

n einem Raum der Schule ist eine Gesundheitsberatung untergebracht. Hier arbeiten eine junge Ärztin und eine Krankenschwester, die die Familien bei Krankheiten beraten. Medikamente sind teuer und viele Familien können sich Medizin nicht leisten. Deshalb haben wir vor unserer Abreise einen ganzen Koffer Medikamente gesammelt und zugekauft, so dass das Gesundheitspersonal sie sinnvoll einsetzen kann. Hier werden auch Milch- und Sojapulver an bedürftige Familien verteilt, damit die Babys ausreichend versorgt werden können. Viele dieser Familien wohnen in den kleinen Gemeinden weit weg in den Bergen um Darío. Dort gibt es oft noch nicht mal einen Brunnen. Und wenn, ist das Wasser häufig verunreinigt. Die Leute rühren die Babynahrung aus Unwissen oder aus Geldmangel mit diesem Wasser an. Warum kochen sie es nicht ab, könnte man fragen. Aber selbst Wasser abkochen kostet Geld und wenn es nur um ein wenig Brennholz geht. Somit sind dann wieder Krankheiten vorprogrammiert.

Ciudad Darío

Darío liegt 90 km nördlich der Hauptstadt. Die eigentliche Stadt hat ca. 8700 Einwohner. Aber zu Darío gehören noch viele weitere Gemeinden in den Bergen wie Terrabona oder Caracol, wo auch der Gesundheitsdienst der Asociation Daríana tätig ist.
In der Stadt sind nur die Hauptstraßen asphaltiert. Man sieht nur wenige Autos. Das Pferd ist noch ein ganz wichtiges Fortbewegungsmittel. Auffällig ist, dass fast kein Kind ein Fahrrad besitzt. In der glühenden Mittagshitze sieht Darío wie eine verlassene Westernstadt aus.
Die Stadt lebt mehr schlecht als recht von der Landwirtschaft. Hier werden z.B. rote Bohnen, Mais und Hirse angebaut. Rote Bohnen und Maistortillas sind die billigsten Lebensmittel und werden schon deshalb zu jeder Mahlzeit gegessen. Sie sind nahrhaft und machen satt. Obst, Süßigkeiten und Eis sind etwas ganz Besonderes für die Kinder.
Wir sind mit dem Gesundheitsdienst in die Berge nach Caracol gefahren und haben gesehen, dass die Menschen hier nur noch in einfachsten Hütten leben und noch größere Schwierigkeiten haben ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Hierhin haben wir einen Teil der vielen T-Shirts gebracht, die wir in Herzkamp bekommen haben. Der andere Teil wird in der Schule verteilt. Man glaubt nicht, wie viel Freude man mit dem Nötigsten bereiten kann. Als besonders hilfreich hat sich unsere Brillensammlung gezeigt. Dutzende von Menschen kamen oft kilometerweit um ein Exemplar zu ergattern, um endlich einmal einigermaßen sehen zu können.
Eine Frau, die schon jahrelang keine Brille mehr hatte, konnte sich z.B. anhand eines primitiven Sehtests eine passende aussuchen. Sie hatte bei dem fürchterlichen Hurrikan "Mitch" 1998 ihre gesamte Familie verloren. Eine Brille hätte sie sich nie leisten können. Jetzt war sie überglücklich. Es ist schon fast ein neues Leben, wenn man nach sieben Jahren wieder einigermaßen sehen kann.

Das große Fest "Purisima"

Wir hatten das große Glück dieses Fest miterleben zu können. Es ist das Fest der "Unbefleckten Empfängnis Marias", das am 8. Dezember in der katholischen Kirche gefeiert wird. In Mittelamerika sind die Leute noch wesentlich gläubiger als in Europa. So werden eben noch die traditionellen Feste viel größer, bunter und auch mit viel Musik gefeiert. Die Muttergottes wird in Lateinamerika besonders verehrt. Eine Woche lang sieht man in ganz Nicaragua Prozessionen, in denen Statuen der Muttergottes mit Gesängen und Gebeten durch die Straßen getragen werden. Am Vortag des eigentlichen Festes erreichen die Feierlichkeiten ihren Höhepunkt.
Wir haben bei der Schulleiterin in Darío gewohnt und konnten somit bei den Vorbereitungen mithelfen. 250 Trinkbecher wurden mit einigen kleinen Süßigkeiten gefüllt. Sie waren für die ärmsten Kinder bestimmt.
Morgens um 6 Uhr weckten uns schon die Gesänge zu Ehren der Muttergottes. In der Straße um die Ecke wurde eine Messe gefeiert. Danach gab es einen Schluck Kaffee und ein paar Plätzchen für alle. Dann zog die Prozession mit der Madonna weiter.

Um 10 Uhr versammelten sich alle in unserer Straße. Es waren unheimlich viele Kinder da. Man sah ihnen an, dass das Leben sie noch nicht verwöhnt hatte. Ein Altar und Stühle waren schon aufgebaut. Frauen trugen die Madonna auf einem riesigen Podest zum Altar. Es gab Gebete, Gesänge und Volkstänze.

Danach wurden die Trinkbecher mit den Süßigkeiten und säckeweise Orangen verteilt. Das alles wurde von der Großfamilie Espinoza gestiftet. Die Kinder drängelten sich regelrecht darum. Der Höhepunkt bestand in einem gespendeten Eis. Für die Kinder war das ein ganz besonderer Tag. Auch für uns.

Am 8. Dezember, dem eigentlichen Festtag, wurde in Darío Erstkommunion gefeiert. Hieran nahmen aber nur Kinder aus dem Stadtzentrum teil, weil deren Eltern als einzige das Geld für ein billiges Kommunionkleidchen aufbringen können. Kinder aus den ärmeren Vierteln oder aus den Bergen können davon nur träumen. Es wäre einer der größten Tage in ihrem Leben.

Die Mädchen sehen wie kleine Bräute aus, die Familien machen sich mit geringsten Mitteln und selbstgenähten Kleidern schick. Mit ihrer braunen Haut und den tollen Haaren sehen sie alle wunderbar aus. Dabei haben sie für die wenigen Dollar, die das Kommunionkleid kostet, mindestens ein Jahr gespart. Sie hätten es für dringendere Dinge sicher gut gebrauchen können. Aber wer will ihnen vorwerfen, wenigstens einmal im Leben die bescheidenen Freuden eines großen Festes erleben zu wollen.
Und wenn man weiß, dass auch am Morgen dieses großen Festtages kein Wasser zum Waschen, geschweige denn zum Duschen aus dem Hahn kam, dann kann man sich nur wundern, wie man so adrett und sauber aussehen kann.

Die Menschen hier wären gern Lebenskünstler, wenn sie nicht Überlebenskünstler sein müssten.

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